War das jetzt ein Abenteuer?

Wir sind wieder Zuhause, endlich, nach 4 Wochen voller widersprüchlicher Emotionen, Hoffnung, Enttäuschung, Angst, Tränen, und Erlösung. Es liest sich pathetisch und so ist es auch (ein Stück weit) gemeint. Waren diese Wochen ein Abenteuer? Ist so ein Frage unanständig angesichts dessen, was wir erlebt haben und Erika immer noch für sich erlebt?

Ende April fällt Erika von einer 5 Meter hohen Festungsmauer in Cartagena/Kolumbien und verletzt sich lebensgefährlich. Sie bricht sich etliche Knochen, hat innere Verletzungen und wird in das örtliche Krankenhaus Bocagrande eingeliefert. Hier erleben wir beide zum ersten Mal, wie sich Krankenhaus ausserhalb unserer Hemisphäre anfühlt. Schon die ersten Stunden machen mir klar, was uns erwartet.
Die gesamte Woche in diesem Krankenhaus entwickelte sich zu einem nervenaufreibenden und extrem stressigen Ereignis. Nicht nur, dass wir keinerlei Spanisch sprechen, es war auch so, dass keiner Englisch sprach. Hier und da hatten wir etwas Hilfe, aber in den täglichen Dingen war ich sehr hilflos und so machten selbst die einfachsten Dinge große Schwierigkeiten.
Nach etwa 14 Tagen wurden wir dann endlich von einem Arzt aus Österreich abgeholt und nach Innsbruck geflogen. Hier stellte sich dann heraus, dass die Ärzte in Kolumbien viele Verletzungen und Brüche gar nicht festgestellt hatten, unter anderem einen Halswirbelbruch. Glück im Unglück: hätten die Ärzte die ganzen Verletzungen gesehen, hätten wir nicht zurückfliegen können und wären wahrscheinlich jetzt (knapp 5 Wochen nach dem Unfall) noch dort. Bedenklich ist es aber schon, dass man sich nicht sicher sein kann, ob alle Dinge erkannt werden wenn man sich in dem Land aufhält.
Erika macht gute Heilungsfortschritte. Sie kann wieder halbwegs gehen und die Schmerzen sind dank starker Schmerzmittel im Griff. Beide Hände wurden operiert und mit Implantaten versehen, derzeit sind sie noch eingegipst. In einigen Wochen wird die Reha beginnen und wir schätzen, dass in etwa einem Jahr alles überstanden sein wird. Derzeit gehe ich davon aus, dass keine grossen Einschränkungen in der Bewegung verbleiben.

Was wird aus unserer Reise? Wir wissen es beide nicht. Wir haben beide einen Schock erlitten und sind derzeit nicht in Reiselaune, was verständlich ist. Ich würde gerne die Reise wieder aufnehmen, in einem Jahr vielleicht. Aber es ist noch viel zu früh, darüber etwas zu sagen, geschweige denn, zu planen. Dazu kommt, dass ich ja noch lange nicht in Rente bin, anders als Erika, die seit März diesen Jahres Pension bezieht. Wir machen uns Gedanken über die Reise, wenn es soweit ist.

Den Blog weiter zu führen macht ohne Reise keinen Sinn. Ich lasse alles so stehen, wie es ist und setze mich dann wieder dran, wenn wir wieder los fahren. Solltest Du die Geschichte des Unfalls nachlesen wollen, dann schau bitte unter Länder->Kolumbien nach. Ich hoffe, Du kommst unseren Blog wieder besuchen. Vielen Dank bis dahin, alles Gute.