Nach der OP

Eine ganz kurze Bestandsaufnahme:

Heute ist der 4. Tag nach der sehr langen und komplizierten OP an beiden Händen. Die Schmerzen sind stark, nach wie vor, aber durch Schmerzmittel einigermaßen zu bändigen. Das Gehen fällt ihr sehr schwer und damit verbunden sind viele Funktionen im Körper nicht voll aktiv. Dennoch gibt es sehr positive Nachrichten vom behandelnden Chirurgen, der davon ausgeht, dass die Bewegung in den Händen weitestgehend wieder hergestellt wird. Ganz so wie vorher wird es nicht sein können, dazu war der Unfall zu heftig. Die anderen, vielfältigen Frakturen heilen von selbst aus. Klar, Rippenbrüche tun weh und das auch noch lange, aber Hauptsache, es geht aufwärts.
Im übrigen sind die Ärzte und das Personal hier in der Regel sehr gut und sehr positiv. Die Chirurgen haben viel Erfahrung durch die vielen Skiunfälle, was für Erikas Hände natürlich super ist. Ich habe schon von vielen Seiten gehört, dass hier die besten Chirurgen sind, die in weitem Kreis zu finden sind, wohlmöglich sogar die besten Österreichs. Ich bin erleichtert.

Es gibt berechtigte Hoffnung, dass Erika nächste Woche am Wochenende entlassen wird. Vielleicht wird es Samstag, vielleicht auch erst den darauffolgenden Montag, man wird sehen. Sobald abzusehen ist, dass sie zuhause schnellere Genesung haben kann und keinen Arzt mehr dauerhaft braucht, ist das ja auch sinnvoll.

Und dann wird auch dieser Blog hier zunächst keine neuen Nachrichten mehr haben. Wir wissen nicht wann, aber ich bin sicher, dass wir noch einmal losfahren. Auch, um unsere Angst anzugehen und die Erfahrung zu machen, dass nicht jede grosse Reise mit einem Unfall endet.

Innsbruck

Fast hätten wir den Boden geküsst wie der Pabst. Endlich dahoam. Ok, noch nicht ganz, aber hier versteht man uns wenigstens. Ich in zwar des Tirolerisch nicht ganz so mächtig, aber ich glaube, zur Not käme ich mit Englisch weiter. Beruhigend.

Der Rückflug war sehr stressig und lang, aber seit Montag Abend sind wir in Innsbruck und Erika in der Klinik. Die Untersuchungen noch gestern am Abend bis heute morgen um 2:30 Uhr haben eine größere Dramatik, als wir das erwartet hatten. Etliche Knochenbrücke sind in Kolumbien unentdeckt geblieben, was die ganze Sache noch um ein Vielfaches heftiger macht. Alles in allem sind die Verletzungen derart umfangreich, dass wir fast froh sein können, dass man sie dort nicht gefunden hat, weil Erika dann ganz sicher keine Flugfreigabe bekommen hätte. Die Befürchtung, dass wir noch dort bleiben müssten hatten wir ja und die Vorstellung davon war uns beiden ein Horror. Insofern – Glück im Unglück. Allerdings werde ich dem führenden Arzt in Cartagena noch einen Brief dazu schreiben, alleine nur, um ihm die Möglichkeit zu bieten, die Versäumnisse im Kollegenteam anzusprechen. Viel Hoffnung, dass sich dort etwas ändert habe ich allerdings nicht. Der dortige Orthopäde sollte allerdings ernsthaft über einen Berufswechsel nachdenken. Er hat richtig Mist gebaut und es ist derzeit eher wahrscheinlich, dass Erika einen bleibenden Schaden an einer Hand behält. Morgen nach der OP sieht man klarer.

Kurz und knapp hier, der Jetlag schlägt zu und ich kann endlich ein wenig entspannen, weil die süsseste Frau von allen in Sicherheit ist.

Anmerkung: Kann jemand von Euch gut Spanisch? Dann wäre ich froh, wenn er/sie sich für die Übersetzung eines Briefes bereit erklärt. Bitte einfach privat anschreiben: thomas.haake ( at ) gmail.com.

Es geht zurück nach Hause

Ihr Lieben,
heute vormittag ist alles in die Wege geleitet worden, wir können nach Hause fliegen. Der Arzt, der aus Österreich kommt um uns abzuholen, wird am Wochenende ankommen, wir werden etwa am Montag in Innsbruck landen.

Diese zwei Wochen hier haben uns ein paar Dinge gezeigt. Zum Einen ganz klar: wir haben Freunde zu Hause, die sich kümmern. Ich wünsche niemandem so einen Unfall, aber wenn es so sein sollte, dann auch solche Freunde. Danke für alles.
Dann: ab sofort werde ich nicht mehr motzen, wenn die Krankenkassenbeiträge erhöht werden! Ich weiss jetzt, wofür wir diese hohen Beiträge zahlen und ich zahle sie nun gerne. Der Arzt hier vor Ort ist wirklich gut, aber die Begleitumstände sind eine Katastrophe. Mehr dazu an anderer Stelle später.
Weiters: wir haben uns bewusst für ein sehr gutes Hotel hier vor Ort in direkter Nähe zum Krankenhaus entschieden. Das Hilton ist perfekt. Das Zimmer sehr groß, der Service Weltklasse (es gibt u.a. einen Krankenpfleger, der Erika täglich die OP-Wunden versorgt), Rollstuhl, sehr ruhiges Zimmer und super aufmerksame und sehr empathische Angestellte. Der Preis entspricht im übrigen dem eines Mittelklasse-Hotels in Österreich.
Und natürlich haben wir die vielleicht wichtigste Lektion gelernt: mach keinen Scheiss auf irgendeiner 5 Meter hohen Mauer, von der du abstürzen kannst! Die Wunden mögen schnell verheilen (obwohl das im Falle von Erika noch ein langes Nachspiel haben wird), aber die weitere Konsequenz kann, wie in unserem Fall, heissen: Abbruch und nach Hause. Tschüss, Weltreise…

Es ist keine Frage, wir sind beide sehr glücklich, dass wir nach Hause können, aber unser Traum ist eben auch geplatzt. Bei aller Freude darüber, dass Erika mit dem Leben davon gekommen ist, sind wir auch traurig und niedergeschlagen. Sicher werden wir noch ein paar Länder besuchen, irgendwann, aber dann ist das anders. Ausserdem muss ich ja irgendwann noch einmal arbeiten gehen.
Wir müssen uns nun neu organisieren und in ein paar Wochen werden wir sehen, was von all dem übrig bleibt.

Wir freuen uns auf zuhause.

Hoffnung und Entspannung

Erika ist vom behandelnden Arzt soweit flugtauglich erklärt worden, vorausgesetzt, dass bis Mittwoch abend (österr. Zeit) keine Komplikationen auftreten. Dann fliegt ein Arzt von der Tyrolean Air Ambulance hierher und holt uns ab. Wenn alles gut geht, sind wir geschätzt am Samstag in Innsbruck, wo Erika zunächst in der Klinik verbleiben wird.

Seit Samstagabend (gestern) sind wir im Hotel, nachdem klar war, dass Erika im Prinzip stabil genug ist. Die knappe Woche im Krankenhaus war für uns beide der blanke Horror, ich kann das nicht anders beschreiben. Nicht nur der Unfall an sich war schrecklich, sondern auch die teilweise Unfähigkeit des Krankenhaus-Personals und deren vollkommene Hörigkeit zu den Ärzten. Beispielsweise wurden die frischen (kleinen) Schnitte der Chirurgie überhaupt nicht weiter versorgt, sondern man hat sie einfach so belassen, weil der Arzt nicht gesagt hat, man müsse sie versorgen… Einige sehr positive Ausnahmen gab es natürlich auch, eine Jung-Ärztin, die Deutsch sprechen kann und uns tatkräftig unterstützt hat, ein paar Schwestern, die hier und da hineingeschaut haben, obwohl es nicht deren Station war und natürlich auch die, die einfach ihre Arbeit gut gemacht haben. Dennoch, die Schmerzen haben von Erika das Äusserste gefordert. Emotional sind wir beide am Ende und als gestern abend wieder Schmerzen im Bauch auftraten, haben wir beide voller Angst im Bett gelegen. Letztendlich waren es normale Schmerzen, die bei einer OP vorkommen. Heute hat sich bisher nicht weiter gezeigt.

Ich werde mir vielleicht noch die Tage die Zeit nehmen und die ganzen Geschehnisse aufschreiben.

Wir hoffen, dass nun diese Geschichte hier einen Abschluss findet. Drückt uns bitte einfach feste die Daumen. Sollte es Neuigkeiten geben, schreibe ich etwas dazu.

Danke Euch allen für Eure Unterstützung.

Aktuell

Erikas Zustand hat sich gebessert, wenngleich sie noch nicht transportfähig ist. Sie hat Knochenbrüche, die noch operiert (genagelt/geschraubt) werden müssen, aber aufgrund einer anderen Verletzung kann sie nicht fliegen. Es ist schwierig, weil sie natürlich keine weitere OP hier machen lassen will. Wir haben aber nur ein begrenztes Zeitfenster, bevor die Knochenbrüche gemacht werden müssen, maximal 14 Tage. Die Ärzte hier sind ok, aber die Umstände sind aufgrund unserer Sprachunkenntnis vollkommen untragbar. Selbst die von uns angedachte Verlegung in eine Privatklinik würde nichts an den Umständen ändern, wie man uns von verschiedenen Seiten gesagt hat.

Wir erfahren viel Hilfe von Euch und von den Mitgliedern des Weltreise Forums, wo ich einen Hilferuf abgesetzt hatte. Wir wissen Eure Anteilnahme sehr zu schätzen und können uns vorstellen, wie hilflos ihr euch fühlt. Ganz besonders gilt das für die Kinder von Erika, die Tag und Nacht wach sind und versuchen, was zu versuchen ist uns zu unterstützen. Sie haben den österr. Konsul aktiviert, was sehr viel gebracht hat. Eine Jung-Ärztin hier kann etwas deutsch und ihr Vater war gestern hier (ein Deutscher) und hilft uns ebenso. Die Freunde der Freunde der Freunde aus dem Forum melden sich bei mir und bieten Hilfe an. Dafür liebe ich das Internet.

Mehr später an dieser Stelle, der Arzt kommt.

Ganz aktuell: wir können, wenn alles gut geht am Donnerstag nach Hause fliegen! Morgen verlassen wir das Krankenhaus und dann entscheidet sich die nächsten Tage alles weitere.

Leider sind die obigen “guten Nachrichten” so nicht zu halten. Die Transportfähigkeit von Erika kann von der Tirolean Air Ambulance, die uns zurückholen soll, nicht nach 10 Tagen für einen Langstreckenflug gegeben werden. Wir sind verwirrt und fertig.

 

Reiseabbruch

Kaum drei Wochen nach unserem Start, ist die Reise schon zu Ende. Erika hatte vor 2 Tagen einen schweren Sturz aus 5 Meter Höhe, weil wir übermütig auf einer der Festungsmauern balanciert sind. Sie ist stark verletzt und musste operiert werden. Derzeit ist sie nicht transportfähig, wir sind aber mit der Versicherung in Kontakt, die alles weitere sofort in die Wege leitet, wenn die Freigabe erfolgt. Erika ist ausser Lebensgefahr, was das wichtigste ist. Der Heilungsprozess wird ein paar Monate brauchen, aber sie wird wieder vollständig hergestellt. Alle Reisepläne sind derzeit aufgehoben, auch die geplanten Treffen in Thailand und Bali mit unseren Freunden können ins Wasser fallen. Wir werden beizeiten mit euch darüber reden.

Wir freuen uns über einen Kommentar hier, aber bitte keine privaten Emails schicken oder bei uns anrufen.

Ich werde Euch an dieser Stelle mit Neuigkeiten versorgen und bitte um Geduld und Verständnis.