Myanmar zum ersten Mal

Bethel kauen, ist für viele in Myanmar vollkommen normal. Mit einer Mischung aus Kalk, etwas Nikotin, ein Stück Bethelnuss und eingewickelt in das Bethelblatt, wird gekaut, gespuckt, gekaut, gespuckt…. wer´s mag.

(thomas) Unsere erste Erfahrung mit Myanmar war das Taxi, das uns am Flughafen abholt –
eines der vier Räder war ein Notrad. Die Sicherheit, mit der unser Fahrer uns versichert, dass das auf jeden Fall bis zum Hotel hält, zwang uns ein kleines Lächeln auf die Lippen. Sicher war er damit ja auch schon zum Flughafen gekommen und wer weiss, wie lange er damit schon rumgefahren ist. In Myanmar fahren die Autos rechts, wie bei uns. Allerdings sitzt hier der Fahrer auch auf der rechten Seite. Die Verkehrssituationen sind manchmal haarsträubend, was es nicht einfacher macht, wenn der Fahrer rechts sitzt und nichts sieht, wenn er überholen will. Ziemlich aufregend. Aber letztendlich sind wir mit heiler Haut davon gekommen.

Taxi zu dritt

Myanmar ist für uns alle drei Neuland und wir wussten nicht, auf was wir uns einlassen. Einige Gebiete sind für Touristen verboten zu betreten, weil sich dort die Armee mit Widerständlern Kämpfe liefert, in anderen Bezirken gibt es religiöse Gruppen, die sich bekämpfen. Darüberhinaus herrscht ein Militärregime über das Land, auch, wenn sich in den letzten 5 Jahren einiges verändert hat.
Ursprünglich wollten wir über Land im Norden Thailands die Grenze überqueren, aber nach einigen Überlegungen haben wir uns für einen Flug nach Mandalay entschieden und sind nach ein paar Stationen an der südwestlichen Küste in einem wirklich schönen, kleinen und bezahlbaren Resort gelandet.

Apropos Geld: wir dachten ja, dass Myanmar ein sehr preiswertes Reiseland ist, schliesslich verdienen die Menschen hier wirklich sehr wenig. Die Hotelpreise sind allerdings sehr hoch und hauen kräftig aufs Budget, an manchen bekannteren Küsten schnellen die Preise auf unsagbare $1000 (tausend) Dollar die Nacht in Luxushotels. Wir können auf diesen Luxus gut verzichten und freuen uns hier über einen einfachen Bungalow, Strom von 18-6 Uhr, Warmwasser nur manchmal, dafür aber ein exzellentes, bezahlbares Essen. Internet machen wir übers Handy, was bestens klappt. Gewußt wie! Die Hotels in den Städten wie Mandalay oder Bagan sind allerdings recht teuer und qualitativ ihr Geld nicht wert. Dafür wird man mit wunderschönen Pagoden, Buddhas, sowie einer tollen und aufregenden Gegend belohnt, die uns manchmal die Luft genommen haben (alle drei zusammen, aber je nachdem auch einzeln gesehen).
Wir haben Glück mit dem Wetter, nicht zu heiß, trocken, meist strahlend blauer Himmel, von dem sich die goldenen Pagodendächer wunderbar abheben. Motive gibt es ohne Ende, Menschen und deren Arbeit, Häuser, Pagoden, Buddhas, Eigentümlichkeiten wie LKWs ohne Motorhaube (ist normal) oder Hochzeitsvorbereitungen/Prozessionen, die mit ohrenbetäubender Musik begleitet werden aus Lautsprecheranlagen, mit denen man locker kleine Konzerthallen beschallen kann.

Mandalay war wirklich aufregend neu. Kaiserpalast, Goldhauer, Schuster, Pagoden mit wirklich riesigen Buddhas aus einem einzigen Stück Marmor gehauen, spiegelverzierte, grün-glitzernde Hallen oder solche mit vergoldeten Decken und Säulen, dann wieder riesige Hallen mit enorm grossen Säulen, auch uralte, hölzerne Tempel, auf hunderten Holzsäulen stehend und reich verziert. Thin Thin, unser Tourguide, ist eine junge Frau, die uns einen Tag lang “ihr” Mandalay gezeigt hat, etwas weg von den touristischen Höhepunkten (die ja auch nicht verkehrt sind). Mit ihr sind wir dann auf eine kleine Insel gefahren, mit der Pferdekutsche bis zu einem besonders schönen Tempel und später zum Sonnenuntergang auf die U Bein-Brücke (1,5km lange Holzbrücke), die von Besuchern fast überquoll. Eine echte Besonderheit aber war für uns das burmesische Büffet: man sitzt in einem einheimischen Lokal und bekommt den ganzen Tisch mit Schüsseln vollgestellt, aus denen man sich nach Herzenslust bedienen kann. Wenn etwas ansatzweise leer wird, wird einfach nachgefüllt. Herrlich und sehr lecker. Nebenbei gesagt, der Preis ist ein Witz – wir haben für 4 Personen inklusive Getränken kaum 10 Euro bezahlt.

Kinderstühle sind in vielen Restaurants Standard. Für uns Europäer eher witzig.

Bagan war die nächste Station, die auch – neben Mandalay – als Fotogalerie unten zu finden ist. Im August 2016 gab es ein heftiges Erdbeben mit der Stärke von 6,8 und viele Pagoden waren stark beschädigt. Daher sind momentan noch die meisten, auch berühmteren, Pagoden entweder eingerüstet oder unter einer Plane verschwunden. Es bleiben dennoch genug zu bestaunen und schliesslich sind die Pagoden ja auch nur ein Teil der grossen Tempelanlagen, die wirklich sehenswert und auch mitunter irgendwo auf dem Land zu finden sind. Bagan ist so besonders, weil es tausende Pagoden gibt, nicht nur ganz alte, auch in neuerer Zeit werden wieder welche gebaut, weil sich die Erbauer dadurch Vorteile für das nächste Leben erhoffen. Kann man glauben, muss man aber nicht. Wir hatten eh den Eindruck, dass der theravadische Buddhismus in Myanmar sehr stark in die tiefreligiöse Richtung geht – eine Entwicklung übrigens, die Buddha nicht wollte. Schliesslich hat er sich immer als Lehrer verstanden, dennoch machen die Menschen mit ihrer überbordenden Verehrung eine Gottheit aus ihm.
Wie auch immer, Bagan ist anders als Mandalay. Fast alle Touristen kommen nach Bagan, und so gibt es hier vor fast jedem grösseren Tempel Kitsch und falschen Kram zu kaufen, der darüber hinaus von sehr nervenden und übereifrigen Verkäufern feilgeboten wird. Alles in allem war trotz toller Kulisse Mandalay für uns der interessantere Ort.
Unsere Myanmar Reise ist zum Zeitpunkt, an dem ich diesen kleinen Bericht schreibe, erst zu Zweidrittel vorbei. Uns stehen noch ein paar schöne Tage hier im Resort bevor und noch weitere 5 Tage in Yangon. Aber ein vorläufiges Fazit kann ich ziehen:
So ähnlich sich die asiatischen Ländern sind, Myanmar ist anders als die anderen. Touristisch ist das Land noch weitestgehend unerschlossen, es gibt (ausser in Yangon) keine frei herumfahrenden Taxen, die man anhalten kann, Hotelstandards sind eher niedrig. Auch hier gibt es – wie auch in Thailand oder Indien – grosse Müllberge und das wird sicher nicht weniger in den nächsten Jahren. Unser schlechtes Gewissen streitet sich da ständig mit dem guten Gedanken, dass wir mit unserem Geld ja auch Menschen unterstützen, die es wirklich verdient haben. Die Menschen in Myanmar haben wir als sehr, sehr freundlich kennen gelernt, die einerseits sehr scheu sind, andererseits hinter uns herlaufen und unbedingt ein Foto mit uns (hauptsächlich den Frauen) haben wollen. Neugier, was das denn für grosse Menschen mit weisser Haut sind, wird oft dadurch befriedigt, dass man beim Vorbeigehen wie zufällig angefasst wird, einfach so.
Tierlieb sind sie fast alle. Katzen oder Hunde leben friedlich mit ihnen und werden oft gefüttert. Man kümmert sich zumindest soweit um die Tiere. Und kinderlieb sind sie sowieso. Kinder gibt es immer und überall. Was uns auffällt ist, dass die Menschen bei allem Staub hier sehr sauber sind, sauberer, als bspw. in Indien oder auch in Indonesien. Nicht falsch verstehen, bitte. Genannte Völker sind keineswegs dreckig, aber hier hatten wir den Eindruck, dass die oft täglich gebrauchten Longhis oder Saris einfach richtig schön gepflegt sind.
Und nun viel Spass bei den Galerien aus Mandalay und Bagan. Es sind etwa 120 Fotos, weniger ging leider echt nicht.

 Fotogalerie Mandalay:

 Fotogalerie Bagan:

4 Comments

  1. Hallo ihr drei Hübschen,
    vielen Dank an dich Thomas für den Bericht und die Fotos. Ich kann mir gut vorstellen, dass es schwer ist
    sich zu entscheiden welche, und wie viele Bagoden fotografiert werden sollen.
    Ich danke euch für den Bericht und wünsche einen guten Start ins neue Jahr. Bleibt gesund, munter und
    stets bei gutem Appetit, ein Spruch lautet ja: Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.
    Liebe Grüße Herta

    • Hallo Herta, vielen Dank für das Lob, das ich so an die Mädels weitergebe, da wir das doch eher gemeinsam machen. Ich haue zwar in die Tasten, aber ohne Kontrolle geht hier nix raus 😉
      Auch Dir einen guten Rutsch und alles Gute für 2017!

  2. Hallo ihr Weltreisenden
    Bevor das Jahr vergangen ist, wollen wir, die Radreisenden, euch ein ereignisreiches und eindruckvolles Jahr 2017 wünschen.
    Eure Bilder und Berichte sind wirklich interessant und sehenswert. Auch wenn dies nicht unsere Reisezeit ist, macht es immer wieder auch Freude euren Blog zu lesen und anzuschauen. Weiterhin gutes Reisen mit vielen neuen Erlebnissen.
    Liebe Grüße von den pausierenden, noch nicht erfrorenen Radreisenden
    Gudrun und Christmut

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