Warum Ayurveda KEIN Wellness ist

(thomas) Die Vorstellung ist schön und wird auf den meisten Webseiten und Anzeigen auch so präsentiert: eine wahlweise auf dem Bauch oder auf dem Rücken liegende Frau mit Blume im Haar bei Massage oder Ölfluss auf der Stirn. Entspannung pur, dazu noch ein wenig Obst und Meeresrauschen im Hintergrund. Falsch. Auch, wenn alles sehr ruhig stattfindet und man angehalten wird, sich auszuruhen und zu geniessen: Ayurveda ist kein Wellness.

Der Eindruck täuscht, Ayurveda hat unerwartete Behandlungen. Der Mensch 8hier: Mann) steht hier im Mittelpunkt

Der Eindruck täuscht, Ayurveda hat durchaus unerwartete Behandlungen. Der Mensch (oder Mann) steht hier im Mittelpunkt der Ereignisse. Aber auch, wenn (oder weil?) er sich unter 6 Frauen befindet, einfach ist es nicht. *seufz*

Die Wirklichkeit ist oft ganz anders, das kenne ich nicht nur vom Obstkauf bei Hofer/Aldi. Obendrauf sieht alles schön aus, aber faules Obst wird nach unten gelegt. Das soll nicht heißen, das Ayurveda das faule Obst ist, ganz so ist es dann auch nicht. Aber Ayurveda ist mehr, als die schöne Verpackung. Erika und ich haben nun schon den 2. Ayurveda-Aufenthalt in diesem Jahr (fast) hinter uns, was uns beiden auch reicht. Christine ist ebenfalls froh, wenn wir in drei Tagen unsere Koffer in den Flieger nach Thailand wuchten.
Ayurveda kann ganz unterschiedlich sein, das haben wir jedenfalls gelernt. Hier, in Sri Lanka, ist es ganz anders, als in Indien, wo wir im Mai waren. Wir sind in einem grossen Haus untergebracht, 5 Zimmer mit maximal 7 Gästen, also eher übersichtlich. Die Anwendungen hier sind viel persönlicher abgestimmt, als beispielsweise in Indien, wo die ganze Anlage schon enorm groß ist und etwa 120 Gäste beherbergt hat, mit entsprechend vielen Behandlungsräumen und Therapeuten. Hier nun, hat man in der Regel für eine Behandlung auch einen Therapeuten, in Indien waren es immer zwei.

Wir sind alle drei erschöpft. Die täglichen Massagen, der sehr volle Tagesplan, sehr viel, teils sehr schlecht schmeckende Kräutermedizin (Säfte, Tees, Pillen, Pasten), dazu viele unterschiedliche Anwendungen (Massagen, Ölbehandlungen, Yoga, Dampfbad) zehren an unseren Kräften.

Grün oder gelb, Hauptsache Farbe drauf

Grün oder gelb, Hauptsache Farbe drauf

Da der Plan einerseits stark gestreckt über den Tag verteilt ist (6 Uhr aufstehen, 7 Uhr Yoga, dann Frühstück und ab 8.45 Uhr Behandlungen bis abends 17 Uhr und alle zwei Tage Meditation vor dem Abendessen), andererseits uns die Pausen aber nicht genug Raum lassen, um das kleine Gelände auch mal zu verlassen, fällt uns allen hier die Decke auf den Kopf. Das Meer, das nur ein paar hundert Meter weg ist, haben wir bisher nur mal am Abend besucht, und dann auch nur kurz, weil um 21 Uhr das Tor geschlossen wird und man sich ansonsten mit dem Abenddienst auf eine Zeit verabreden muss. Jugendherbergen sind da flexibler (inzwischen). Übrigens: auf der Webseite wurde das nahe Meer beworben. Tja, reingefallen.

Ayurvedische Anwendungen, das haben wir gelernt, können mal so, oder so sein. Soll heissen: in Indien waren wir jeden Tag im Pool, einfach schon, weil es heiss draussen war und eine kleine Abkühlung sehr gut tat. Hier soll man den Pool bitte meiden, wenn man Abführtag hat oder einen Einlauf bekommt oder Öl/Ghee (geklärte Butter) trinkt. Also praktisch gesehen: der Pool ist nur zur Zierde hier, ich war genau 3-mal bisher drin, Erika und Christine auch nicht viel öfter. Der Spassfaktor war ja nicht mitgebucht.

Ayurvedische Medizin. Ja, ein besonderes Thema… Ich darf wohl behaupten, ich habe noch nie derart viel, derart schlecht schmeckende Medizin bekommen. “Teichwasser” nennen wir hier unseren Drink, den wir Morgens, Mittags und Abends bekommen. Das ist dann die etwas größere Tasse, ausserdem hat jeder noch seinen “Ramazotti” oder auch schon mal Öl (das aber Gott sei Dank in kleinerer Menge) plus diverser Pillen. Ich werde täglich eingeschmiert mit einer grünen oder gelben Schmiere, die mindestens eine Stunde drauf bleiben soll. Glücklicherweise hilft das gegen meine Hautprobleme, ganz vergeblich ist es also nicht. Jeder hier hat so seinen Widerwillen gegen seine Medizin entwickelt und Wohlfühl-Wellness ist das ganz sicher nicht.

Das liest sich jetzt natürlich alles negativ. Um fair zu bleiben, muss ich auch wenigstens ein paar Dinge dazu schreiben, warum wir denn nicht einfach Reissaus nehmen und sagen “Außer Spesen nix gewesen”. Natürlich hat Ayurveda seine unschlagbar guten Seiten. Zunächst einmal ist das eine durch und durch ganzheitliche Behandlung. Der Mensch steht hier voll im Fokus, seine Beschwerden werden ernst genommen und die Behandlungen sind erprobt (auch, wenn man nicht alles versteht. So hat die Nasenreinigung einen Zusammenhang mit Rücken- und Nackenproblemen). Ayurveda ist nicht “schön”, das ist wohl so und das muss man hinnehmen, aber die langandauernde Wirkung der Behandlungen hat sich bei meinem letzten Aufenthalt in Indien bestätigt.
Nicht zuletzt sind die Menschen, die hier arbeiten, Therapeuten, Ärzte und Hausangestellte wirklich sehr bemüht und willens, den Aufenthalt hier so angenehm wie möglich zu machen, was Vieles ausbügelt.

Wir stellen uns ganz langsam auf Thailand ein, auf Bangkok, das Christine noch nicht kennt und das wir uns 3 Tage anschauen werden. Dann geht es hoch in den Norden nach Chiang Mai, dort über die Grenze nach Myanmar Burma und so fahren wir dann langsam runter in den Süden von Burma, wo wir Weihnachten und Silvester verbringen werden.

Bleibt uns treu, bis bald.

4 Comments

  1. Ihr seht ja richtig super aus.
    Thomas, Du siehst ohne Haare wie ein Mönch aus, Du könntest wahrscheinlich sofort in irgend ein
    Kloster einziehen.
    Christine in der Farbe Kurkuma mit Blume im Haar sieht ja richtig lecker aus. Erika Du bist wohl die
    Einzig, die farblich nicht verschandelt wurde.
    Ja, das habe ich mit Euch, 14 Tage Ayurveda wäre mir auch zu lange.
    Ich wünsche Euch für die Weiterreise alles Glück dieser Erde viele tolle Eindrücke
    Herzliche Grüße Herta

    • Na ja, Herta, verschandelt sieht eigentlich keiner von uns aus 🙂 Wenn die Farbe ab ist, dann sehe ich wieder wie ein normaler Mönch…äh… Mensch aus. Und die Mädels machen schon richtig was her, ein bißchen Farbe tut allen gut. Und demnächst wandelt sich das sowieso alles in leichtes Braun.

  2. Liebe Christine, dies hört sich ja alles sehr abenteuerlich an.
    Der Bericht ist ja sehr aufschlußreich. Was du mit deinen Freunden da erlebst, naja ist sicher nicht jedermanns Sache.
    Auch höre ich aus den Berichten heraus, dass es trotz allem super ist.
    Ich wünsche dir noch eine schöne abenteuerliche Reise und bin im Gedanke (auch mit etwas Neid) bei dir.

    Alles Liebe
    Irene

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